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Werte Leser,
es ist schon etwas überraschend, dass die publikumswirksamen Massenmedien Ihren Fokus zur Zeit nicht auf die nach wie vor schwelende Europakrise richten. Dabei gäbe es nach wie vor ausreichend schlechte Nachrichten zu überbringen. Eigentlich ein gefundenes Fressen für die Skandalpresse, deren Motto ja bekanntlich „only bad news are good news“ lautet.
Aber vielleicht sind die Informationen aus der Finanzwelt für die breite Masse dann doch nicht ausreichend neu oder aufregend. Noch nicht.
Denn es scheinen sich die Prognosen zu bewahrheiten, dass neben Griechenland, weitere Ländern scheinbar unaufhaltsam dem Abgrund entgegensteuern. Außer den „kleinen“ Ländern Portugal und Belgien, die die Experten sowieso schon lange auf dem Radar haben und deren finanzieller Zusammenbruch von der Gemeinschaft vielleicht auch noch zu verkraften wäre, scheint sich nun die Situation für das „große“ Spanien zuzuspitzen.
Die Kapitalmärkte senden deutliche Zeichen des Misstrauens. Steigende Zinsen, nun schon über 6 % für 10 jährige Anleihen (im Vergleich: deutsche Staatsanleihen rentieren für den gleichen Zeitraum bei ca. 1,6 %), die die Refinanzierung des bestehenden Defizits deutlich verteuern und die Bemühungen der spanischen Regierung um die von Europa verordnete Haushaltsstabilität ad absurdum führen. Sowie die in die Höhe geschnellten Prämien für Versicherungen, die den spanischen Kreditausfall für Investoren absichern sollen.
Die Gründe für die Furcht der Investoren vor einem zweiten Griechenland sind offenbar. Die Rezession, gepaart mit einem harten Sparkurs der neuen Regierung, mündet in hohe Arbeitslosigkeit, von der besonders die betroffen sind, die das Land in den nächsten Jahren, gar Jahrzehnten prägen und tragen sollen, die Jugendlichen. Heerscharen von gut ausgebildeten und arbeitswilligen Südeuropäern verlassen in diesen Wochen ihre Heimatländer und suchen weiter nördlich ihr Glück.
Nicht viel anders ist die Situation in Griechenland. Trotz der vermeintlichen Rettung, die in Wahrheit nichts anderes als ein Spiel mit der Zeit und eine Forderungsabschreibung auf Raten darstellt, steht das Land noch immer vor unlösbaren Problemen. Warum ? Siehe oben.
Es ist das Problem der europäischen Politik, nicht den Mut zur Korrektur einst getroffener Entscheidungen aufbringen zu können. Europa benötigt eine neue, den wahren und heutigen Begebenheiten angepasste, Währungsunion. Trickser und Betrüger, wie Italien und Griechenland, verdienen es nicht, in den Genuss der Vorteile unserer großen und starken Gemeinschaft zu kommen. So sehr ich mit den Menschen in diesen Ländern fühle, denke ich dennoch daran, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Denn als Bürger hat man nicht nur das Recht, sondern auch die Verpflichtung, die durch das Gesetz gewährte Freiheit zu nutzen, Missstände anzusprechen und bestmöglich zu korrigieren. In diesem Sinne scheint Deutschland seit ein paar Monaten zu erwachen und auf einem guten Weg zu sein. Und in eben diesem gleichen Sinne tragen die Bürger der notleidenden Staaten eine nicht geringe Mitschuld an ihrer aktuellen Situation. Herr Berlusconi lässt grüßen !
Mit den besten Wünschen
Andreas Rüger |